![]() MICHAEL RAMHARTER Es war eigentlich Zufall, dass ich Production Designer wurde, aber nicht dass ich Designer wurde. Das Design-Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst schloss ich 1993 ab, nachdem ich eine hübsche Karriere als Schmuckdesigner und Goldschmied an den Nagel gehängt hatte. Damals gründete die Neue Sentimental Film Frankfurt eine Tochterfirma in Wien und der damalige Geschäftsführer und Regisseur Roland Loibl, für den ich einige Innenausbauten gemacht hatte, beauftragte mich, ein Set für einen Werbespot zu machen. Das klappte erstaunlich gut, obwohl ich damals von den spezifischen Anforderungen eines Filmsets nicht viel wusste. Aber entwerfen konnte ich und erkennen, dass Production Design eigentlich sehr gut in meine Auffassung von Design passt: Design und Innenarchitektur sind Dienstleistung. Neben der Funktion eines Produkts, einer Raumgestaltung steht auch das persönliche Lebenskonzept eines Auftraggebers, der schließlich in dem entworfenen Ambiente leben muss. Die Arbeit als Production Designer gibt mir die Möglichkeit kurzfristig sehr viele Projekte entwerfen und ausführen zu können, zu probieren und zu testen. Die Erkenntnisse fließen dann in die innenarchitektonische Arbeit. William Faulkner sagte angeblich, schreibe jeden Satz so, dass es Lust macht den nächsten zu lesen. Das lässt sich sehr gut auf meine Arbeitsauffassung übertragen: „ Gestalte einen Raum so, dass es Lust macht den nächsten zu sehen.“ ![]() MAYA RAMHARTER Ich studierte Kulturwissenschaften, als ich mit Michael Ramharter ein Büro für Gestaltung unter dem Namen Bönisch & Ramharter 1998 gründete. Wir hatten beide zuvor eine Handwerkslehre abgeschlossen, in meinem Fall als Maßschuhmacherin bei Rudolf Scheer & Söhne in Wien. Mir waren aber die Verhältnisse eines Wiener K&K Traditionsbetriebes schnell zu eng und ich begann mit dem Studium in Berlin. Über die Kontakte von Michael kam ich zu ersten Filmausstatterjobs und wollte mir damit eigentlich nur das Studium finanzieren. Stattdessen habe ich für diesen visuellen Beruf Feuer gefangen und das Studium aufgegeben. Doch die Kenntnisse aus dem kulturwissenschaftlichem Studium, die dort erworbene theoretisch ästhetische Basis sind Inspiration und Rückgrat meiner Entwurfsfindung und gestalterischen Arbeit. Zu Michaels William Faulkner Zitat fällt mir ein: „Gestalte jeden Raum so, dass du keinen mehr brauchst!“ |